Fokus auf Handelsrouten und Gold - Sinnvoll? Wie vorgehen? Welche Zivilisation?

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

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Passwort vergessen?

Das ist ne mutige Entscheidung von Firaxis. Bin ja gespannt, was alles in der Liste der deutschen Städte auftaucht. Ist es sicher, dass die Städtenamen nach der Hauptstadt zufällig ausgewählt werden? Stand hier ein paar Meldungen weiter oben. The busy man is never wise and the wise man is never busy. Ich muss gestehen, dass ich es sehr gut finde, dass die Civ 6 Auflage von Deutschland sehr stark am mittelalterlichen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation orientiert ist, finde ich sehr abwechslungsreich.

Die Boni sehen auch sehr gut aus, aber am Ende ist es alles eine Frage der genauen Werte, da kann ich mir jetzt noch kein Urteil bilden.

Die einzigen Punkte die ich etwas kritisch sehe sind bisher die UU und die Sache mit dem Kampfbonus gegen Stadtstaaten. Wenn wir schon Reichsstädte und eine Hanse haben, warum braucht dann Deutschland unbedingt wieder eine UU für die Moderne? Naja, auf Pangäa wird es nutzlos sein, auf anderen Maptypen wird es sich zeigen, wie stark sie sein wird.

Vielleicht lässt sich damit auch gezielt eine Seedominanz erreichen. Ich fand den Bonus bei dem Mongolen schon ziemlich unnütz, weil es einfach meiner Spielweise nicht angepasst war. Gut, ich mag eigentlich Eroberungen. Aber zumindest bei Civ 5 gab es einfach viel zu viele Nachteile gegenüber dem Behalten von Stadtstaaten. Aber die Stadtstaatenboni waren einfach zu einzigartig und zu gut, als dass man, oder zumindest ich, ignorieren konnte. Wenn ich also diese erobere, verliere ich den Bonus permanent, wenn nicht jemand sie zurückerobert und befreit , aber meine Wissenschaftskosten steigen, meine Sopokosten steigen, wenn ich den Stadtstaat annektiere und meine Glücklichkeit sinkt.

Auch in Betracht auf den Diplosieg hat es nicht so viel gebracht, waren weniger Stadtstaaten da, sank einfach die benötigte Stimmenmenge, somit konnte man nicht allgemein Civs mit diesem Siegziel die Suppe versalzen, es sei denn man hat ihren Verbündeten geschluckt. Der Diplosieg ist erstmal raus. Wir wissen nicht, was es für diplomatische Konsequenzen haben wird, ich denke aber mal, dass der Suzerän des Stadtstaaten zumindest angepisst sein wird, wenn es nicht gar ein Kriegsgrund ist.

An sich sind die Boni nun sogar noch stärker als bei Civ 5, so dass ich mir schon die Frage stelle, warum sollte ich jetzt auf die Stadtstaatenjagd gehen? Ich sehe hier eigentlich nur folgende Gründe: Der Bonus bringt es einfach, wenn man gegen andere Civs Krieg führt und die Hilfe von den Stadtstaaten bekommen und er wirkt auch gegen geliehene Stadtstaaten. Man kann aufgrund der beschränkten Gesandten gar nicht mehr bei allen Stadtstaaten hoch im Kurs stehen, so dass es einem "leichter" fällt, diese loszuwerden, um anderen den Bonus zu verneinen.

Um ehrlich zu sein, das ist alles aber eher Dreingabe anstatt der Grund, dass ich jetzt unbedingt Barbarossa spielen will. Stadtstaaten erobern ist mir im Allgemeinen einfach zu speziell und bringt mir im Vergleich zu den Boni einfach zu wenig, wenn ich zumindest die Möglichkeit habe, diese zu erlangen.

Das Fezzan-Projekt vereinte jüngst die Ergebnisse der von C. Daniels zwischen und von D. Mattingly durchgeführten Grabungen und Surveys im Fezzan mit dem Ziel, diese Befunde zusammenzufassen und eine Geschichte der prähistorischen und antiken Periode des Fezzan zu zeichnen.

Bernstein , ; Zimmermann , mitsamt den wichtigen Anmerkungsapparaten passim. Überholt ist das Buch von P. Romanelli, La Cirenaica romana. Goodchild , ; Ruprechtsberger , Seit den späten sechziger Jahren befassen sich die Projekte der University of Pennsylvania mit dem Heiligtum der Demeter und Persephone in Kyrene.

Hervorzuheben sind wichtigen Bände von White ; ; begannen polnische Grabungen in der Polis Ptolemais. Luni befassen sich voe allem mit Ausgrabungen und Forschungen in Kyrene. Luni ; ; Luni et al. Daniels Edwards et al. Selbst nach dem Einsetzten der griechischen Geschichtsschreibung verweisen die Griechen die Stämme stets in den Hintergrund, wie M.

Gsur und verteilen sich mehrheitlich nur über Libyen. Smith untersucht das Fortleben der libyschen Stämme der Antike bis in das späte Mittelalter sowie die unterschiedlichen Klassifizierungssysteme und Kriterien bei antiken und mittelalterlichen Verfassern betreffend ihrer Identität. Dabei werden allzu oft alternative Gruppenzugehörigkeiten übersehen, in denen beispielsweise die Kategorien Landwirte, Militärs und Kaufleute eine bedeutende Rolle spielten. Hier gehören zu den wichtigsten Quellen, neben den Berichten antiker Verfasser, die von Ausgräbern und Epigraphikern geborgenen Inschriften.

Allein aus den vorchristlichen Jahrhunderten sind Inschriften bekannt. Schon die ersten Reisenden, Diplomaten und Künstler sind neben ihrer Neugier an den antiken Ruinen auch daran interessiert, Inschriften zu kopieren und sogar mitzunehmen. Bechtel Nr und in E. Jahrhunderts bringen neue Inschriften zutage. Seit erscheinen fast 40 Bände mit kunsthistorischen, numismatischen, epigraphischen und historischen Arbeiten. Der vierte Band nimmt weitere Inschriftenfunde auf.

Band 9 erscheint , ein zweiter Band Die Bände beinhalten jedoch keine Abbildungen, weiter Oliverio publiziert, die ebenfalls vor dem Krieg entstanden waren. Ihre Anzahl reicht jedoch aus, um den Dialekt und wesentliche Aspekte der Administration seit der klassischen Periode herauszuarbeiten.

Beide Forscher kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Roques publizierten Arbeiten zum ersten Mal eine Darstellung der antiken Kyrenaika seit der hellenistischen Epoche bis zur Herrschaft Justinians bereitstellen. In seiner Eigenschaft als Historiker, Archäologe, Numismatiker, Epigraphiker und Geograph vermochte er es bis zu seinem Tod im Jahre , alle Quellengattungen erschöpfend auszuwerten und in zahlreichen Aufsätzen und Büchern das antike Libyen darzustellen. Auf den Routen entlang der Küste der unwirtlichen Syrte Abb.

Den zweiten Nachlass publizieren G. Pugliese Carratelli und D. Morelli im darauffolgenden Jahr. Oliverio Pugliese Carratelli Morelli , C. Dobias-Lalou legt im Jahre , nach vier Jahrzehnten ihrer Forschungen über der Kyrenaika, ihre Monographie zum dort gesprochenen Dialekt vor. Diese Rolle habe sich erst im Entstehungsprozess der Traditionen entwickelt.

Auch in spätarchaischer Zeit sei die Geschichte um Pheretime zugunsten partikularer Interessen umgemünzt worden. Ebenso können Kaufleute Häfen angesteuert, verschiedenste Waren aufgenommen und gelöscht haben. Diese Interpretationen begegnen wiederum bei der Untersuchung der materiellen Kultur. Auch bei ihren Untersuchungen ist eine unzureichende Reflexion über ethnozentristische Interpretationen, Gruppenbezeichnungen und den Bedeutungsinhalt von materieller Kultur erkennbar, wie anhand der folgenden Beispiele zu ersehen ist.

Zum Beispiel charakterisiert S. Wanis ein Relief aus späthellenistischer Zeit, auf dem Szenen mit einer libyschen Gottheit abgebildet sind, als einen Reflex der good relations between the Greek and native populations of Cyrene. Kane den Fokus auf soziale Gruppen. Kane sustained many of their agrarian interests through the worship of Demeter and her daughter Persephone in the extra-mural Sanctuary in the Wadi bel Gadir, and who, through the rituals practiced within that Sanctuary, extended the authority of their polis over the surrounding region.

Burn Cyrenaican types with south italian echoes zu erkennen und verbindet bestimmte Stilkonstanten und Formgebungen mit Kunstlandschaften, in denen bestimmte Völker leben. Die Darstellung eines Affen, der auf einer Harfe spielt sei surely an Egyptian rather than a Greek habit. Ebenso könnte es sich um einen expliziten Auftrag eines Kyreners gehandelt haben, dem sein Greek habit wohl nicht vertraut war.

Denn in der Tat existiert kein ethnischer Habitus, sondern existieren Gewohnheiten, die in Gruppen praktiziert werden. Deutlicher kommt die angedeutete Problematik um gegenseitige Einflüsse in der Diskussion um die Grabkultur in Kyrene zum Vorschein.

In einer Reihe von Aufsätzen charakterisierte kürzlich L. Cherstich die Nekropolen von Kyrene in der hellenistischen Epoche. Verstärkt bemühen sich die Aristokraten in Kyrene nun um eine Adaption der im römischen Reich bekannten Kunststile. Die kyrenischen Aristokraten stellen, wie die Römer, Porträtbüsten auf und Laronde , Dagegen ist Desanges , Desanges spricht sich explizit gegen die These von Laronde aus, dass die kyrenische Bürgerschaft das Gold für ihre Münzprägungen einem Sieg über Maken und Nasamonen zu verdanken hätte.

In erster Linie werden die Nasamonen in antiken Quellen Lucan. Romans favoured the trend, testified by the attention given to the old historical centres of poleis like Cyrene, Athens and Ephesos. Furthermore, especially after Augustan times, the Hellenization already begun in Hellenistic times was an important part of the Romanization of the non-greek Near East, in a wonderful mixture of identities and cultures.

In an old polis like Cyrene speaking of Hellenization is obviously inappropriate but it is clear that Roman rule enhanced the transformation started already in Ptolemaic times, importing further foreign customs. Die in diesem Textabschnitt gefallenen Begriffe veranschaulichen noch einmal die Problematik einer ethnozentristischen Sichtweise.

Der von Cherstich bezeichnete non-greek Near East vermittelt ein scheinbares Bild einer kulturell homogenen Region. Der Nahe Osten läge den Reichen der Römer und Griechen nicht nur gegenüber, sondern verhalte sich gegensätzlich.

Denn wie die Forschung herausgearbeitet hat, ist etwa die Identität der Römer und Griechen ein soziales Konstrukt, Griechen und Römer bestehen selbst aus einer wonderful mixture of identities and cultures. Weber stellt Identität ein entwicklungsfähiges soziales Konstrukt mit historischem Charakter dar. Nicht objektive Gemeinsamkeiten, sondern der subjektive Gemeinschaftsglaube sei ein entscheidendes Kriterium. Menschen, die einen subjektiv empfundenen Glauben an eine Abstammungsgesellschaft besitzen, fasst Weber zu ethnischen Gemeinschaften zusammen.

Die Vorstellung einer gemeinsamen Abstammung erleichtere wiederum die Vergemeinschaftung, zu der insbesondere die politische gehöre. Auf der Basis dieser Vorstellung entstünde Weber zufolge aus dem rationalen Gesellschaftshandeln ein übergreifendes Gemeinschaftsbewusstsein. Der Mehrwert liege im Stolz, im Pathos und den damit verbundenen positiven Wertungen, zu einer geglaubten Gemeinschaft zu gehören. In ihrem Selbstverständnis grenzen sich die Menschen durch eine Reihe von Kriterien von anderen Gruppen ab.

Smith beispielsweise nennt als Kriterien einen Kollektivnamen, einen gemeinsamen Abstammungsmythos, eine gemeinsame Geschichte, eine bestimmte geteilte Kultur, eine Assoziation mit einem bestimmten Territorium und eine Solidarität untereinander Für diese These plädieren Cherstich Santucci , ; Cherstich , Vgl. Reynolds , Cherstich a, Weber , Um Vergemeinschaftung handelt es sich, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns auf subjektiv gefühlter Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht.

Weber , Weber , In der Tat ist die Überzeugung von der Vortrefflichkeit der eigenen und der Minderwertigkeit fremder Sitten, durch welche die ethnische Ehre gespeist wird, den ständischen Ehrbegriffen durchaus analog. Ethnische Ehre ist die spezifische Massenehre, weil sie jedem, der der subjektiv geglaubten Abstammungsgesellschaft angehört, zugänglich ist.

Fazit Die oben dargestellte Problematik ethnozentristischer Interpretationen und Verallgemeinerungen erfordert die Hinzunahme einer Theorie, die die Zugehörigkeit zu einem Volk nicht verwirft, aber den Fokus auf alternative Gruppenbildungen richtet.

In diesem Forschungsfeld konnten die Kulturwissenschaften in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewinnen. Sie erfreuen sich gegenwärtig innerhalb zahlreicher wissenschaftlicher Disziplinen eines weitreichenden Diskurses zu allen Fragen betreffend Identität und Kulturalität. Zu verdanken ist den Kulturwissenschaften der seit dem Ende der achtziger Jahre erweiterte, offene Kulturbegriff, der nicht zwangsläufig in einer ethnozentristischen Interpretation münden muss.

Niethammer vor kurzem in seinem Buch Kollektive Identität: Der Kollektivbegriff ermöglicht alternative Gruppenzugehörigkeiten auf eine einfache und verständliche Weise zu beschreiben und eignet sich bestens für die Untersuchung kollektiver Identitäten in der Kyrenaika.

In Umgehung einer allzu ethnozentristischen Betrachtungsweise definiert Hansen als Kulturträger Kollektive, zu ihnen zählen beispielsweise Organisationen, Fraktionen in Versammlungen und Kultvereine. Sie sind offen für Beitritte und untereinander vernetzt. Hansen möchte Fragen zum Kollektiv und Kollektivbildungen als ein noch viel zu wenig beachtetes und relevantes Feld von Kulturbeschreibung stärker in den Mittelpunkt des aktuellen Identitätsdiskurses stellen.

Mit seiner Argumentation möchte er die vielfach gebräuchlichen und generalisierenden Betrachtungsweisen, unter der Kollektive wie etwa Staaten als Akteure auftreten, aufbrechen und den Grundstein für ein neues, erweitertes Verständnis von Kollektivität und Kulturalität legen.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit sollen daher in Anlehnung an die von Hansen entwickelte Kollektivitätstheorie die Identitäten ausgewählter Kollektive in der Kyrenaika stehen. Bei ihnen kann eine über Jahrhunderte tradierte Kultur beobachtet werden. Wenn in der vorliegenden Arbeit der Kollektivbegriff dem Kulturbegriff vorgezogen wird, geschieht das in der Überzeugung, die Identitäten der Bewohner der Kyrenaika auf diese Weise besser fassen zu können.

Die einzelnen Hauptabschnitte sind jeweils mit einer eigenen Einleitung und einem kleinen Fazit versehen worden. Im darauffolgenden Abschnitt D wird die Kollektivitätstheorie auf die ersten Siedler in der Kyrenaika angewendet und der Stellenwert der materiellen Kultur hinsichtlich der Aussagen zu Identität diskutiert. Hansen ein, die vielversprechend für die Behandlung kollektiver Identitäten in der Kyrenaika ist.

Die Kollektivitätstheorie ist nicht als bekannt vorauszusetzen, das Forschungsthema Kollektivität als Teil der Gruppensoziologie findet in der Geschichtswissenschaft nur wenig Beachtung. In dieser Auflage rückt der Kollektivbegriff in den Mittelpunkt. Das erste der folgenden Kapitel diskutiert den Kulturbegriff. Das zweite Kapitel geht auf das Kollektiv ein.

Das dritte Kapitel geht auf das Individuum ein, das zahlreiche Prägungen aufweist und Mitglied in vielen Kollektiven ersten Grades ist. Im vierten Kapitel wird auf das Poliskollektiv, das Kollektiv zweiten Grades eingegangen. Doch auch das Dachkollektiv ist weder statisch, noch von anderen Kollektiven abgeschlossen. In ihm finden sich vielmehr Verhaltensweisen und kulturelle Elemente, die in vielen Gesellschaftsformationen zu finden sind, worauf das sechste Kapitel eingeht.

Kultur In dieser Arbeit wird Kultur definiert als die Gesamtheit an Gewohnheiten, die mit Zuhilfenahme von Kommunikation in einem Kollektiv von dessen Mitgliedern praktiziert werden. Kultur setzt sich also aus drei Faktoren zusammen: Tylor diesen häufig verwendeten, auf die Praxis vieler Individuen pochenden Kulturbegriff als im weitesten ethnographischen Sinne jener Inbegriff von Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz, Sitte und allen übrigen Fähigkeiten und Gewohnheiten, welche der Mensch als Glied der Gesellschaft sich angeeignet hat.

Alle aufgezählten Einzelheiten geben sich zum einen als Gewohnheiten zu erkennen, zum anderen praktiziert man sie als kollektives Gleichverhalten in der Gesellschaft. Hall beispielweise könne Kultur als eine Serie von Prozessen verstanden werden, in denen Individuen bewusst Ideen, Werte, Haltungen und Handlungen kommunizieren, mobilisieren und somit Kultur erst durch diese Prozesse konstituieren.

Man geht von einer einzigen Kultur, der Kultur, aus und untersucht pauschalisierend das kollektive Gleichverhalten der Hansen , ; , Zu diesen Faktoren Hansen , Tylor , 1. Folgt man der Definition des Begründers der Sozialanthropologie stellen Kultur, Zivilisation und Gesellschaft Synonyme dar, denn Tylor listet alle Institutionen auf, welche das Zusammenleben der Menschen normativ regulieren.

Tylor verwendete diese Definition vorbehaltlos für archaische und moderne Gesellschaften, da er glaubt, dass der Entwicklungsstand einer bestimmten Kultur lediglich die Stufe einer einzigen Formation repräsentiere. Alle Einzelheiten geben sich zum einen als Gewohnheit zu erkennen und zum anderen als solche, gesellschaftlicher Art. Im Endeffekt ergibt sich die Aussage, dass Kultur die Gewohnheiten einer Gesellschaft oder gesellschaftlichen Gruppe umfasst. Was ist ein Kollektiv? Nach dem Kulturbegriff soll in diesem Kapitel auf das Kollektiv und das Kollektivbewusstsein eingegangen werden.

Im vorherigen Kapitel wurde definiert, dass Kultur die Gesamtheit an Gewohnheiten umfasst, die in einem Kollektiv praktiziert werden. In dieser Arbeit rücken Kollektive als Kulturträger in den Fokus. Die nächste Definition lautet, dass ein Kollektiv aus einer Ansammlung von Individuen besteht. Die Anzahl an Individuen kann je nach Kollektiv variieren.

Durch das Praktizieren gemeinsamer Gewohnheiten konstituieren sie Kollektive. Stets setzt die Bildung und Aufrechterhaltung eines Kollektivs einen kommunikativen Kontakt zwischen den Mitgliedern des Kollektivs voraus. Von Forschern kann daher der Fehler begangen werden, ein zu starkes Kollektivbewusstsein anzunehmen, das sich notwendigerweise früher oder später entwickeln wird. Denn obwohl in der Geschichte zahlreiche Kollektive als Akteure auftreten, müssen die Handlungen der Kollektive nicht das Ergebnis eines entwickelten Kollektivbewusstseins sein.

Denn Termini wie Kollektiv oder kollektive Identität oder Kollektivnamen können die Existenz bestimmter Gruppen suggerieren, obgleich sich in ihnen kein Bewusstsein bildete. Hingegen verneint er ebd. Da kein Individuum dem anderen gleicht, sind die Interessen und das Mitteilungsbedürfnis bei den Mitgliedern unterschiedlich ausgeprägt.

Streng genommen wird das Kollektiv Hansen , zufolge durch eine partielle Gemeinsamkeit der ihm zugerechneten Individuen konstituiert. Laut Niethammer , läuft das Individuum aber Gefahr, die eigene individuelle Identität im Kollektiv zu verlieren, indem es diese unterdrückt oder das Realitätsbewusstsein verdrängt und sich dem kollektiven Treiben anpasst.

Indem die Mehrheit der Individuen das Kollektiv kopiert, entsteht es. Insofern ist es jeder einzelne selbst, der Kollektiv und Kultur am Leben hält, obgleich er meint, es seien die Anderen. Ein Kollektiv wird durch die partielle Gemeinsamkeit der ihm zugerechneten Individuen konstituiert. Für Niethammer , ist die Gleichheit zwischen Gruppenmitgliedern eine unwillkürliche kulturelle Differenzerfahrung [ ]. Die Differenz wird nicht definiert, kann aber als Konstruktion gewertet werden.

Die Untersuchung von Kollektiven verlange Pauschalurteile und Verallgemeinerungen, welche Ausnahmefälle innerhalb des Kollektivs missachten. Hierzu stellen politische Führer und Intellektuelle die konstruierte Identität bewusst über die reale soziale und politische Heterogenität, um alle Kollektive zu einer Einheit zu formen.

Der Sinn dieser ideologischen Konstruktion besteht darin, bestimmte Schichten, Klassen oder andere Kollektive zu einem bestimmten Fühlen, Denken und Handeln zu animieren. Man versucht, eine bestimmte erwünschte soziale oder kulturelle Homogenität des Handlungsträgers zu konstituieren.

Folgt man modernen Autoren, die diesen Terminus unreflektiert benutzen, ergeben sich zwangsläufig Unklarheiten in der Lokalisierung der Westgriechen. Je nach Interessensschwerpunkten, wie zum Beispiel Studien zur Regionalgeschichte oder der Chronologie, beziehe die Forschung bestimmte griechische Siedlungen im Mittelmeerraum mit ein oder klammere sie aus. Es setzt sich am Ende die Erkenntnis durch, dass Pauschalurteile und die Annahme eines Selbstbewusstseins bei einigen Kollektiven nicht aufrechterhalten werden können.

Kein Grieche bezeichnet sich im Altertum als Westgrieche. Auch über eine Zusammenkunft aller griechischen Poleis westlich von Hellas an einem bestimmten, exklusiven Versammlungsort schweigen die Quellen. Er selbst versteht unter den Westgriechen die auf Sizilien und Süditalien lebenden Siedler und ihre Nachfahren. Cook , Oft handelt es sich, wenn der Name Ostgriechen fällt, lediglich um Materialstudien.

Die Sammelbezeichnug Ostgriechen ist ebenfalls ein modernes Konstrukt. Individuelle Identität und Kollektive ersten Grades Dieses Kapitel behandelt die individuelle Identität der Menschen und die Kollektive, die sie bilden können. Die individuelle Identität wird in dieser Arbeit als eine Zusammensetzung aus Eigenschaften und Überzeugungen definiert, die in einem Kollektiv gestützt werden können.

Zum einen existieren frei gewählte Kollektivzugehörigkeiten, also Mitgliedschaften in unterschiedlichen Gruppen, etwa einem Verein oder Club. Zum anderen existieren vorgegebene Kollektivzugehörigkeiten wie die Familie oder die aufgrund der Geburt nach sich ziehende Wohnhaft in einem bestimmten Ort oder einem bestimmten Kulturkreis.

Bestimmte Kollektivzugehörigkeiten ziehen entsprechende Verhaltensweisen nach sich. Unter inneren Bedingungen 2 versteht Hansen die angeborenen Charaktermerkmale und zum anderen, basierend auf dem Zufall spezieller Lebensumstände, die gemachten Erfahrungen. Stets ist von unterschiedlichen Tiefen auszugehen, in denen Menschen Verhaltensweisen verinnerlichen.

Ein aus Kyrene stammendes Beispiel, das ebenso aus einer anderen griechischen Polis stammen könnte, mag die Multikollektivität näher veranschaulichen. Am Ende des 2. Die Mitgliedschaft und die Persönlichkeit Beludrias erschöpfen sich, rein hypothetisch gesprochen, aber nicht nur in der Zugehörigkeit zu einer einzigen Gruppierung, etwa einem Volk. Beludria kann sich zum Beispiel als Artemispriesterin empfinden, als ein Mensch mit sowohl griechischen als auch libyschen Wurzeln, vielleicht als Gemahlin, Mutter oder als Bewohnerin der Polis Kyrene.

Sie ist zur selben Zeit Mitglied in zahlreichen Kollektiven; ihr Denken und Verhalten kann nicht mit der Zugehörigkeit zu einem einzigen Kollektiv erklärt werden. Auch im Fall der Beludria ist die Multikollektivität zu erkennen. Multikollektivität ist deshalb möglich, weil sich ihre Persönlichkeit nicht in einem einzigen Kollektiv erschöpft. Individuelle Identität, so erkennen wir, setzt sich additiv aus vielen Eigenschaften, Überzeugungen und Hobbys zusammen, die kollektiv gestützt werden.

So gesehen ist meine Identität eine Addition oder besser ein Amalgam von einerseits vorgegebenen und andererseits frei gewählten Kollektiven. Dazu Ferri , Ferri , Vgl. Die Kollektivität des Menschen erschöpft sich nicht in der Zugehörigkeit zu einer einzigen Gruppierung [ ]. Moderne Beispiele für die Zugehörigkeit in mehreren Kollektiven gibt Hansen ,. Somit werden Kollektive wie das der Artemispriesterinnen in Kyrene genau genommen nur durch eine partielle Gemeinsamkeit der ihm zugerechneten Individuen konstituiert.

Während die Artemispriesterinnen zu Beginn noch als ein konkretes Kollektiv in Erscheinung treten, wird am Ende ersichtlich, dass die Priesterinnen nicht nur in diesem Kultverein tätig sind, sondern auch gleichzeitig Mitglied in anderen, unterschiedlichen Kollektiven.

Diese einfachen, aus einer recht überschaubaren Mitgliederzahl bestehenden Kollektive, wie im Fall der Priesterinnen, sollen Kollektive ersten Grades genannt werden. Die Polis, ein Kollektiv zweiten Grades Das letzte Kapitel ging auf das Kollektiv ersten Grades aus Kyrene ein, das sich aus einer relativ überschaubaren Anzahl an Individuen zusammensetzt. Da Polisgemeinschaften wie Kyrene oder Barka sich aus einer unüberschaubaren Anzahl an Individuen und Kollektiven zusammensetzen, werden sie als Kollektive zweiten Grades definiert.

Die Polisgemeinschaften umspannen nicht nur sehr viele, sondern auch höchst unterschiedliche Kollektive. Solche Kollektive zweiten Grades sollen Dachkollektive genannt werden. Hansen zufolge ist das Markenzeichen eines jeden Dachkollektivs seine Polykollektivität. Die Polykollektivität betont noch einmal die Heterogenität der unter einem Dach vereinten, kleineren Kollektive ersten Grades. Viele Kollektive sind miteinander verzahnt, sie ergänzen sich, überschneiden sich, agieren zusammen oder rivalisieren.

Dachkollektive bestehen folglich aus unzähligen heterogenen Kollektiven. Zum einen bilden diese heterogenen Kollektive die Basis der Polisgemeinschaften. Zum anderen organisiert man Polisgemeinschaften wie Kyrene und andere Poleis in der Kyrenaika mittels geschaffener Strukturen, welche das heterogene Gemisch ordnen und die Polisgemeinschaften stabilisieren.

Zu den Strukturen gehören zum Beispiel Versammlungen, Verträge, Gesetze, Institutionen und die Schaffung von identitätsstiftenden Geschichtskonstruktionen.

Je nach Quellenlage sind diese Strukturen in jeder griechischen Polis anzutreffen. Die Strukturen bilden die Ausgangslage für eine weitumspannende Vernetzung in der Polis, sie regeln die Heterogenität und Multikulturalität aus gegensätzlichen Werten, Weltanschauungen und Denkgewohnheiten.

Die Gegenständlichkeit des Rudels basiert auf einer nur partiellen Partizipation der Einzelwesen und erweist sich daher als dynamisch und labil. Dieser präsentiert sich auf einer Statuenbasis Paus. Der Überbau sichert die Kommunikation und Interaktion sowohl zwischen den Individuen als auch den Kollektiven.

In einigen Gebieten gibt es politische Bündnisse, die auf freiwilliger Basis beruhen oder den Bestrebungen einzelner Poleis geschuldet sind. Diese wollen ihre politische Hegemonie erweitern oder partikulare Interessen in den Vordergrund rücken. Darüber hinaus nehmen einige antike Autoren diese Gebiete als politische Einheit wahr, obgleich diese nicht als solche organisiert sind.

Diese Gebiete, in denen unzählige Kollektive existieren, sollen Kollektive dritten Grades genannt werden. Als ein Beispiel eignet sich der Peloponnesische Bund. Ihre Identität schöpfen die Spartaner aus einem reichen Repertoire aus Genealogien und Geschichten über Migrationsbewegungen und nutzen diese als Argumente in der Diplomatie, um beispielsweise durch gemeinsame fiktive Ahnen Verbindungen zwischen Parteien zu knüpfen.

Am Ende des 6. Über den Organisationsgrad des Bundes wird seit Jahrzehnten debattiert, auf ihn kann hier nicht eingegangen werden. Ebenso existieren auf der Peloponnes nicht-dorische Identitätsvorstellungen. Wie Herodot 9, 26, schreibt, argumentieren die Tegeaten mit einem Mythos über die Zeit des Heraklidenzuges. Die Herakliden müssen die Peloponnes verlassen und räumen dadurch den Tegeaten eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Peloponnes ein.

Die Athener führen das Argument an, die Herakliden noch vor ihrem Zug aufgenommen zu haben und verknüpfen die Geschichte der Herakliden und damit die Dorier und Lakedaimonier mit ihrer Stadt auf eine positive Weise. Die Bezeichnung ist jedoch nicht offiziell. Baltrusch , 48 Anm Auch aus Xenophon an. Bereits im Altertum wird die Peloponnes als Halb- Insel wahrgenommen.

Am Isthmos soll ein Grenzstein die Peloponnes markieren Strab. Über den Akt des Beitritts und die Satzung ist wenig bekannt. Auch ihre Gegner reformulieren bewusst Mythen und konstruieren Abstammungsgemeinschaften, indem sie Eponyme-Heroen in ihre Genealogien miteinbeziehen. Bei der Betrachtung der Gruppen auf der Peloponnes und des Peloponnesischen Bundes erweist sich die innere Einheit als trügerisch.

Die jeweiligen Bestrebungen der Eliten sind dabei den gegenwärtigen politischen Umständen geschuldet. Wie noch ausführlich behandelt wird, schöpfen viele Bewohner der Kyrenaika ihre Identität aus der Vorstellung, von einer kleinen Gruppe theraischer Siedler abzustammen. An diesen Traditionen halten die Kyrener über viele Jahrhunderte fest, obgleich neuere Grabungen und Quellenforschungen diese Vorstellung widerlegen.

Auch die ptolemäischen Herrscher müssen ihren Anspruch auf die Kyrenaika immer wieder mit der Stationierung von Truppen untermauern und Autonomiebestrebungen niederschlagen. Pankollektive Formationen in der Kyrenaika Die letzten Kapitel behandelten die Kollektive ersten, zweiten und dritten Grades.

Ungeachtet der Zugehörigkeit zu einer Polis oder einen Bündnis gebrauchen die Griechen in der Kyrenaika dieselbe Sprache, sie verehren die gleichen Götter und pflegen dieselben Sitten und Gebräuche. Gemeinsame Sitten und Gebräuche lassen sich ferner bei den libyschen Stämmen und den in der Kyrenaika ansässigen Judäern feststellen. Bei den libyschen Stämmen, die durch die Kyrenaika ziehen, beobachten die Griechen, dass sie ebenfalls Götter verehren, zu denen auch der von den Griechen verehrte Zeus-Ammon gehört.

Die libyschen Stämme lassen sich Orakel geben, schwören Eide, huldigen ihren Ahnen und unterhalten mit den Häuptern anderer Staaten diplomatische Kontakte. Einige der Formen der Kommunikation und des Umgangs miteinander, die bei den Griechen und Judäern in der Kyrenaika anzutreffen sind, reichen selbstverständlich über diese hinaus.

Dazu gehört das Selbstverständnis der Griechen im antiken Mittelmeerraum als auch die s. Um gleiche Formen der Kommunikation und des Umgangs miteinander richtig zuzuordnen, reichen Kollektive ersten, zweiten und dritten Grades nicht aus.

Darum ist die Einführung der pankollektiven Formation vorzunehmen Abb. Diese Formation macht deutlich, dass Regionen wie die Kyrenaika nicht abgeschlossenen sind, sondern untereinander durch ihre Regelungen und Strukturen Gemeinsamkeiten aufweisen.

Diese Gemeinsamkeiten ergeben sich zwangsläufig, denn der Bestand an Strukturen oder Gesetzen, wie Interaktion oder Kommunikation organisiert werden, ist begrenzt. Das Pankollektiv stellt Kommunikationsmittel und Verhaltensregeln bereit, die für den zwischenmenschlichen Umgang in den jeweiligen Kollektiven obligatorisch sind.

Pankollektivität entspricht somit keinesfalls den politischen Grenzen antiker Staaten oder Reiche. Ein Beispiel für ein Pankollektiv ist die Sprache: Andererseits sprechen beispielsweise im Seleukidenreich und im Ptolemäerreich nicht alle Menschen Griechisch.

Drei Kriterien erhalten die Flexibilität einer pankollektiven Formation. Es lassen sich Elemente auswählen, welche die gesamte Menschheit umfassen oder nur bei Wenigen anzutreffen sind. Dazu gehören zum Beispiel nonverbale Signale wie die Mimik oder Körperhaltungen, in denen man Gebete verrichtet. Es lassen sich zweitens Elemente auswählen, die nur zum Teil bei einem Volk oder einer Region anzutreffen sind.

Zum Beispiel bedienen sich einige Sikuler griechischer Buchstaben. Dadurch wird ein Maximum an Flexibilität erreicht, politische und territoriale Grenzen werden ignoriert.

Das verhindert eine pauschalisierende Blockbildung. Segmentierungen Eine weitere Feststellung lautet, dass sich jedes Kollektiv in mehrere kleine Segmente aufspalten kann.

Drei Arten der Segmentierung lassen sich nach Hansen feststellen: Konstitutive Segmente finden sich insbesondere in hierarchischen Strukturen und sind die Ergebnisse historischer Prozesse. Sichtbar werden sie vor allem in der Arbeitsteilung. Virulente Segmentierungen wiederum entstehen spontan, etwa wenn gegensätzliche Interessen Gruppendynamik erzeugen. Die Spontanität, die von einer sich rasch ausbreitenden Kommunikation und Gruppenbildung begleitet wird, soll Virulenz genannt werden.

Je kleiner das Segment, desto unwahrscheinlicher ist die Gefahr eines ausbrechenden Konfliktes. Kollektive sind insbesondere dann segmentiert, wenn ihre Mitglieder durch mehrere soziale Merkmale mit politischer Relevanz in kleineren Kollektiven organisiert sind. Die Mitglieder dieser Kollektive teilen dann die partielle Gemeinsamkeit, zum Beispiel Einwohner der jeweiligen Polis zu sein.

Es besteht das Risiko, dass in einigen Fällen jedoch zu viele kollektivfremde Elemente durch neue Mitglieder hineingetragen werden. Laufen die Interessen und Ansichten zu weit auseinander, tragen die neuen Mitglieder bereits den Keim für eine spätere Spaltung des Kollektivs in sich Zu den modernen Landessprachen als pankollektive Formationen Hansen , Zur Reichweite einer pankollektiven Formation Hansen , Zu den Übernahmen griechischer Buchstaben und Flexionsformen Agostiniani , ; , Zu den Formen der Segmentierung Hansen , In diesem Fall spricht Hansen , von Gruppierungen kollektivexternen Ursprungs.

Diese Kollektive sind dann nicht aufgrund der partiellen Gemeinsamkeiten ihrer Mitglieder entstanden, sondern den individuellen Überschüssen, den Neigungen und Interessen der Menschen. Zusammenfassung Wie der Abschnitt über die Kollektivitätstheorie darlegte, werden durch die Einführung des Kollektivs als Kulturträger alternative Möglichkeiten von Gruppenzugehörigkeit sichtbar.

Kollektive lösen die gewohnten Formen von Einheiten auf, ohne aber die Identität von Völkern infrage zu stellen oder sie gänzlich in den Hintergrund zu rücken. Mithilfe des Kollektivbegriffs gelingt jedoch auf entscheidende Weise die Verdeutlichung der immanenten Heterogenität zahlreicher Poleis und Bündnisse, welche sich nachweislich aus unzähligen und unterschiedlichen Kollektiven zusammensetzen.

Auf der untersten Ebene existiert das Kollektiv ersten Grades, das sich aus einer überschaubaren Anzahl an Individuen zusammensetzt und ein überschaubares Gebilde darstellt.

Veranschaulicht wurde es am Kult der Artemispriesterinnen in Kyrene, die aufgrund der herrschenden Multikollektivität in vielen Kollektiven Mitglied sind. Da Polisgemeinschaften wie Kyrene oder Barka sich aus einer unüberschaubaren Anzahl an Individuen und Kollektiven zusammensetzen, wurde das Kollektiv zweiten Grades eingeführt. Die Heterogenität der Polisgemeinschaften wird bei der Betrachtung gesellschaftlicher Gruppierungen, Berufszweigen, Alters- und Geschlechtergruppen und Kultgruppen sichtbar.

Diese innewohnende Heterogenität und Multikollektivität wird beständig durch allgemein bekannte Strukturen organisiert und folglich gedämpft.

Dazu gehören Sprache, Institutionen, Gesetze und Traditionen. Einen Widerstand gegen die Bemühungen, Homogenität zu stiften, belegen die in den Quellen belegten Minderheiten mitsamt ihren eigenen Mythen. Die Minderheiten identifizieren sich nur oberflächlich mit den dominierenden Vorstellungen und beweisen die nicht immer durchdringende Wirkung, eine umfassende kulturelle Homogenität zu stiften.

Sie werden in immanente, konstitutive und virulente Segmente differenziert. Dementsprechend sind Generalisierungen und Pauschalurteile über kollektive Identitäten am Anfang einer Untersuchung berechtigt, jedoch im Verlauf einer Untersuchung zu modifizieren. Weil Poleis nicht geschlossene Gesellschaften sind und in Nachbarschaft zu anderen Poleis leben, wurde das Kollektiv dritten Grades eingeführt, das noch einmal die Heterogenität und die Vernetzung unter den Poleis betont.

Diese Vernetzung erfolgt mithilfe von allgemein anerkannten Formen der Kommunikation und Interaktion. Um diesen weit reichenden, verschiedenste Kollektive durchdringenden Gemeinsamkeiten eine höhere Bedeutung zuzusprechen, führt Hansen die pankollektive Formation ein Abb. Der nun folgende Abschnitt will deutlich machen, dass ein hellenisch-dorisches Kollektivbewusstsein unter den ersten Siedlern in Kyrene vorhanden ist. Letztlich aber existieren unterschiedlichste Kollektivzugehörigkeiten, die zu einem bestimmten Fühlen, Denken und Handeln animieren können.

In der Vergangenheit wurde in Beiträgen die Meinung vertreten, dass ein Bewusstsein unter den Griechen bereits im 8. Um zu bestimmen, inwiefern sich die ersten Siedler in der Kyrenaika als Griechen verstehen ist es notwendig, auf die Entstehung der pankollektiven Formation der Griechen einzugehen.

Die Entstehung eines Volkes wird im Allgemeinen mit dem aus der Anthropologie stammenden Begriff Ethnogenese zusammengefasst. Es ist zunächst ein von Anthropologen, Soziologen und Historikern beobachtetes Phänomen, nämlich das Erscheinen eines neuen Kollektivs, dessen Mitglieder das eigene Kollektiv als kohäsive Identität auffassen. Das Ethnogenese-Konzept besitzt den entscheidenden Vorteil, Kollektive wie Staaten als soziale Konstrukte zu betrachten und mit älteren biologischen und essentialistischen Annahmen zu brechen.

Dabei ist festzuhalten, dass über den Ethnogenese-Begriff wenig reflektiert wird. Seit den neunziger Jahren halten in der althistorischen Forschung sozialkonstruktivistische Ansätze Einzug, die Völker nicht als immer schon existierende Einheiten betrachten. Hall betont den Konstruktcharakter zahlreicher in der Archaik verfasster Genealogien und identitätsstiftender Kriterien.

Finleys Buch Die Welt des Odysseus vergleichbar sind. Hall untersucht das Kollektivbewusstsein der Achaier, Ionier und Dorier seit ihren ersten Erwähnungen in den homerischen Epen und zum anderen das Entstehen der pankollektiven Formation der Griechen in der spätarchaischen und klassischen Epoche. Hall ist der Ansicht, dass die in den Epen verfasst um v.

Diese Kriterien müssen erst mobilisiert und als Symbol für die Zugehörigkeit zu einem Volk präsentiert werden. Dann sprechen sie breite s. Weber, der Menschen, die eine subjektive Vorstellung an eine Abstammungsgesellschaft besitzen, zu ethnischen Kollektiven zusammenfasste.

Die Wirkung der Mythen sei nach Hall dabei gänzlich unabhängig von ihrer Historizität und ziele auf die Gegenwart ab. Scheer mittels genealogischer Strukturen durch die Dichtung verformt. Dem somit erschwerten Zugang zu historischen Fakten kann im Altertum die Zuhilfenahme weiterer mythischer Erzählungen keine Abhilfe leisten, sodass gestellte Fragen bezüglich der Vergangenheit Scheer zufolge zu heroic, not historically correct answers führen.

Demnach besitzen die ersten Siedler eine genaue Vorstellung über ihre griechische Identität. Das Bewusstsein hätte aber erst in der Zeit der Perserkriege und danach eine neue Qualität erreicht, weil sich Griechen auf andere Völker bezögen oder diese gar als Feinde aller Griechen darstellen.

Am Ende münden die Vorstellungen über andere Völker in einem kreierten Barbarenbegriff. Wie die Untersuchungen von F. Funke zeigen, lassen sich jedoch nicht alle Thesen einer späten und künstlichen Ethnogenese pauschal befürworten. So findet das angeblich erst im 6. Die ethnische Gemeinschaft ist [ ] nicht selbst Gemeinschaft, sondern nur ein die Vergesellschaftung erleichterndes Element.

Hall zufolge hätten vor allem Konflikte um Territorien den Ausschlag gegeben, eine aggressivere Identitätspolitik zu forcieren und Ansprüche aufgrund einer gemeinsamen realen oder fiktiven Abstammung zu erheben.

Ähnlich urteilte schon von Wilamowitz-Moellendorff , 69 über die Ionier Kleinasiens: Es konnte nicht ausbleiben, dass sich nun der Glaube an gemeinsame Herkunft und gemeinsame Eroberung Asiens bildete und bald entsprechende Geschichten erzeugte [ ].

S Den mythischen Argumenten konnten sich auch Herodot und Thukydides nicht entziehen. Trotz aller Gegenerklärungen herrschen heute die Systeme des Freihandels und des Sozialismus. Die moderne nationalökonomische Litteratur besitzt eine längst unübersehbare Fülle von Monographien, über welche neuerdings grosse Werke mit alphabethischer Anordnung des Stoffes vortrefflich orientieren.

Diese Orientierung ist indessen nur eine solche von Fall zu Fall. Bei dem unzweifelhaften Reichtum an Mannigfaltigkeit in den Fragen der heutigen wirtschaftspolitischen Praxis muss das einseitige Prinzip der Spezialisierung immer häufiger zu widerspruchsvollen Entscheidungen führen, die nur dann sich vermeiden lassen, wenn durch ein S YSTEM wieder einfache, allgemeine ökonomische Grundprinzipien zur Herrschaft gelangen. Der politische Tagesstreit ist heute auch deshalb so ausserordentlich kompliziert, weil die Vertreter der Mittelstandspolitik ihre ökonomischen Begriffe zumeist dem Freihandelssystem entlehnen, trotzdem ihre politischen Forderungen auf ganz anderer Basis stehen.

Das Organ aber, mit dessen Hilfe allein aus dem gesammelten Baumaterial der einheitliche Bau eines Systems gefügt werden kann, ist die Methode. Gustav Ruhland, System der politischen Oekonomie, Band 1 www. Wenn die politische Oekonomie oder wie man sie auch zu nennen pflegt: Genügt die heutige wissenschaftliche Litteratur der politischen Oekonomie diesen drei Anforderungen? Was dem Einen der wichtigste Ausspruch der Wissenschaft ist, hält der Andere für einen vollkommenen Irrtum.

Kein Lehrsatz, keine Anschauung, keine Definition ist in der Nationalökonomie heute fesstehend. Die Fragen der wirtschaftspolitischen Praxis rechnet die historische Schule der Nationalökonomie überhaupt nicht zu den wissenschaftlichen Aufgaben. Das ist Sache des Staatsmannes. Und wenn auch bei der allgemeineren Nachfolge der Kulturstaaten auf dieser Entwicklungsbahn später einmal ein Mangel an Brotgetreide zu erwarten wäre, so liegt in dieser Entwicklung um deswillen kein besonderes Bedenken, weil die chemisch-technische Herstellung der menschlichen Nahrungsmittel mit einem Ueberflüssigwerden der landwirtschaftlichen Getreideproduktion dann sicher zu erwarten ist.

Es besteht heute eine tiefe Kluft zwischen Praxis und Wissenschaft in der politischen Oekonomie. Viel eher bemüht man sich zu beweisen, dass die Nationalökonomie überhaupt keine exacte Wissenschaft werden könne. Und man wird sich um so rascher von der Wahrheitsliebe einer bestimmten Persönlichkeit überzeugen können, je häufiger sich dessen Aeusserungen auf Vorgänge be! Genau so spricht man auch in den Naturwissenschaften von einer wissenschaftlichen Wahrheit, wenn der betreffende Satz Vorstellungen in uns wachruft, die sich mit dem diesbezüglichen Vorgange decken.

Die Philosophie hat aus diesen Erwägungen bekanntlich das Problem der Identität zwischen dem subjektiven Empfinden und dem objektiven Sein als Prüfstein für exactes Wissen in den Vordergrund gestellt. Diese unsere Wissenschaft beschäftigt sich also mit objektiven Vorgängen, welche von Anfang bis zu Ende innerhalb der subjektiven Gefühls- und Empfindungs-Sphäre des Menschen liegen.

Hier fällt der objektive Vorgang mit dem subjektiven Empfinden zusammen. Man sollte deshalb erwarten, dass es nur einer Anwendung der wissenschaftlichen Methode bedarf, um hier sofort zur exacten wissenschaftlichen Wahrheit zu gelangen.

Nachdem wir aber heute so gut wie gar keine feststehende nationalökonomische Wahrheit besitzen, muss die Vermutung gerechtfertigt erscheinen: Bevor wir uns jedoch mit der Prüfung dieser Methode selbst beschäftigen, wird es zweckmässig sein, zunächst die andere Frage zu beantworten: Welches ist die rechte wissenschaftliche Methode, die anscheinend der heutigen Nationalökonomie fehlt?

Diese Frage ist längst dahin beantwortet: Ermittlung und der synthetisch-logischen Zusammenfassung. Und zwar wurden die ersten, welche auf uns überkommen sind, in Babylon angestellt. Dies aus einem naheliegenden Grunde. Der babylonische Himmel ist an Tagen im Jahre vollkommen wolkenlos. Die Sternbilder zeigen sich also hier dem menschlichen Auge in besonderer Klarheit.

Daraus wurde dann der älteste astronomische Lehrsatz abgeleitet, welcher lautet: Dann kam wieder eine Periode neuer Beobachtungen, die nach Erfindung des Linsenfernrohrs wesentlich zuverlässiger angestellt werden konnten. Und das so gesammelte empirisch-analytische Material wurde dann von dem hierzu besonders begabten K EPLER — zu einem vollkommen zutreffenden Bewegungsgesetz der Sterne verarbeitet.

Deshalb versuchte er es mit einer anderen Theorie und wählte hierzu die Ellipse. Ergeben sich aber hierbei Differenzen, so sind dieselben nicht als Ungenauigkeiten der Theorie, sondern als Störungen in der Bewegung der Sterne zu behandeln, welche sich auf das Vorhandensein von noch unbekannten Himmelskörpern zurückführen.

Und werden nach dem www. Auf solche Weise wurde z. Was folgt nun aus dieser Entwicklungsgeschichte der physikalischen Astronomie für die wissenschaftliche Methode im Allgemeinen? Die Exactheit muss vielmehr auf dem Wege mühsamer Arbeit errungen werden.

Erst nach einer gewissen Zeit und nach einem gewissen Wechsel der Theorien kommt die Wissenschaft in der Hauptsache zum Abschluss. Hierzu ist ein lebendiges Zusammenwirken von Induktion und Deduktion, von Analyse und Synthese erforderlich. Es beginnen die primitivsten Beobachtungen der Bewegungen der Himmelskörper. Nach einer längeren Reihe derselben erfolgt ihre erste logisch-gesetzmässige Zusammenfassung durch die Theorie der 19 jährigen Mondperioden.

Weitere Beobachtungen lehren, dass diese erste Theorie ungenau ist. Sie wird deshalb verbessert durch die Hipparch-Theorie der Kreisbewegung. Dann folgen noch bessere und weit sorgfältigere Beobachtungen, welche beweisen, dass auch die Kreistheorie den Thatsachen gegenüber Differenzen zeigt, welche sie als unzutreffend erscheinen lassen. Und 24 3 Auf diesem Entwicklungswege zur Exactheit war die jeweils ermittelte Differenz zwischen der subjectiven Vorstellung und dem objektiven Vorgange die Triebfeder zur immer besseren Formulierung des Grundgedankens der!

Diese vorausgegangenen Theorien waren gewiss ungenau, aber man hat sie deshalb nicht verachtet, sondern verbessert. Wie verhält sich nun zu dieser methodologischen Entwickelung der exacten physikalischen Astronomie die bisherige Entwickelung unserer heutigen Nationalökonomie? Zunächst wurden auch hier Beobachtungen angestellt und gesammelt und zwar von den sogenannten politischen Arithmetikern, deren Arbeiten den Grundsätzen des Merkantilystems als Unterlage dienten.

Und heute befinden wir uns wiederum in einer Periode historischstatistischer Untersuchungen und Erhebungen, zunächst gewiss ein durchaus zeitgemässes Beginnen. Auch dieser unfertige Entwicklungszustand der Nationalökonomie, welcher u. Die Nationalökonomie soll sich vorgeblich mit den politischen Tagesfragen nicht zu befassen haben. Die Entscheidung über die politischen Tagesfragen stehe in der Hand der Staatsmänner und Politiker, welche die Wissenschaft dabei nur durch historische Spezialuntersuchungen unterstützen könne und dergleichen mehr.

Es wird wichtig sein, diesen Behauptungen in ganz bestimmter Weise entgegenzutreten. Nachdem nun das wirtschaftspolitische Bedürfnis der Gegenwart durch keines dieser bisherigen theoretischen Systeme befriedigt wird, muss es die erste Aufgabe der heutigen Nationalökonomen sein, die praktisch-politischen Forderungen der Neuzeit zu einem neuen nationalökonomischen System zu vertiefen. Die ersten überlieferten geometrischen Lehrsätze, vielleicht aus dem dritten Jahrhundert vor Christo, versuchen den Inhalt eines Dreiecks durch seine Seiten darzustellen.

Gewiss wäre es für diese der Tod, wenn der Forscher bei jedem einzelnen Problem, das sich ihm aufdrängt, erst überlegen wollte, bevor er es in Angriff nimmt, ob die Lösung desselben noch einen anderen als rein theoretischen Wert habe. Aber wenn eine Wissenschaft als Ganzes auf die Dauer nichts hervorbringt, was befruchtend auf andere Wissenschaften oder auf das Leben der Nation und der Menschheit wirkt, so scheint mir das ein untrügliches Zeichen dafür, dass entweder der Gegenstand, mit dem man sich beschäftigt, die Mühe nicht lohnt oder dass ihr Betrieb ein verkehrter ist.

Und schliesslich lehrt uns ja doch auch die Geschichte aller Zeiten, dass nicht der Historiker und Materialsammler, sondern der Theoretiker dem grossen Praktiker in bösen wie in guten Tagen, im Grossen wie im Kleinen, vorausgeht. All unsere modernen komplizierten Maschinen und unsere grossen Neubauten werden in ihrer Ausführung erst dann in Angriff genommen, wenn vorher mit Hülfe der technischen Wissenschaften der Plan hierzu auf dem Papier bis ins Kleinste genau ausgearbeitet worden.

In jedem wahrhaft geordneten land- und forstwirtschaftlichen Betriebe wird die tägliche Arbeit verrichtet nach Massgabe eines generellen Wirtschaftsplanes, der mit Hülfe der Wissen! Und wesentlich deshalb konnte bekanntlich gesagt werden: Praxis zu vertiefen, dass sie den Punkt findet, von dem aus eine neue Theorie sich mit den Thatsachen der Praxis wieder vereinigt.

Und erhalten die dann möglichen wissenschaftlichen Konsequenzen den Beifall der Praxis, so ist das die erste empirisch-analytische Bestätigung des neuen wissenschaftlichen Lehrsatzes. Wird endlich diese Theorie von den Staatsmännern und Politikern aufgenommen und erfolgreich durchgeführt, so liegt darin eine fortlaufende Neubestätigung ihrer Richtigkeit. Theorie und Praxis verhalten sich zu einander, wie Synthese und Analyse.

Die Praxis bietet in ihren Beobachtungen, Zuständen und Vorschlägen die wichtigste Unterlage für die Auffindung der rechten neuen Synthese, die dann wissenschaftlich weiter vertieft werden muss.

Und die Aufnahme, welche diese Theorie mit ihren Konsequenzen in der Praxis findet, bietet zunächst den auch wissenschaftlich einzig zulässigen Massstab für die Korrektheit derselben. So ist das physiokratische System abgelesen aus den Zeitverhältnissen Frankreichs vor der französischen Revolution. Diese neuzeitliche Verschmelzung von Theorie und Praxis in der Nationalökonomie und Wirtschaftspolitik ist indes nicht nur eine unabweisbare Forderung der wissenschaftlichen Methodenlehre, sie tritt der eindringenderen Beobachtung auch als tiefernstes Bedürfnis unserer wirtschaftspolitischen Verhältnisse selbst entgegen.

Es ist eine bekannte Erfahrung, dass die Organismen von Krankheiten befallen werden, die bei einem gewissen anfänglichen Entwickelungsstadium zwar oft schwer zu erkennen sind, deren unheilvolles Wesen aber darin besteht, dass das Entwickelungsende auf eine Zerstörung und Vernichtung des Organismus abzielt. Gegen diese Krankheiten kämpft im Organismus das immanente Prinzip des Lebens oder, wie man es auch zu nennen pflegt, die Heilkraft der Natur.

Hierbei spielt jedoch noch ein anderes Moment eine durchaus entscheidende Rolle, und das ist — die Zeit. Beginnt die ärztliche Hülfe erst dann einzusetzen, wenn die Heikraft der Natur bereits längere Zeit mit der Krankheit gerungen und die Kraftreserven des Organismus dabei zum grossen Teil verbraucht hat, dann kommt leicht alle menschliche Kunst zu spät, und nichts vermag die Vernichtung!

Deshalb liegt in jedem ernsteren Erkrankungsfalle so viel daran, mit der Hülfe noch zur rechten Zeit und nicht zu spät zu kommen. Was hier von dem Organismus im Allgemeinen gesagt ist, das gilt auch vom volkswirtschaftlichen Organismus im Besonderen.

Auch der volkswirtschaftliche Organismus wird von Krankheiten befallen, welche die Heilkraft der Natur von selbst besiegt. Aber auch hier kommen ernstere Erkrankungen vor, bei denen die Mithülfe des Staatsmannes und der gesetzgebenden Faktoren ganz unentbehrlich ist, wenn nicht die Kultur des Volkes und sein Staatsleben zu Grunde gehen sollen. Auch auf volkswirtschaftlichem Gebiete sind die Krankheiten gerade zu Anfang oft schwer zu erkennen, aber leicht zu heilen.

Auch hier kann die Gesetzgebung die verarmenden Unternehmungen nicht wohlhabend machen, wenn die Unternehmer die Wohlhabenheit sich nicht selbst erwerben. Die Gesetzgebung kann nur die Hindernisse hinwegräumen, welche der Thatkraft der Einzelnen im Wege stehen. Und endlich kommt auch hier alles darauf an, dass die rechte Hülfe nicht zu spät kommt.

Wie steht es nun aber heute in dieser Hinsicht mit unserem volkswirtschaftlichen Körper? Wir wissen unzweifelhaft, dass er krank ist. Wir wissen auch, dass er in recht bedenklicher Weise erkrankt ist und also ernste Hülfe Not thut, wenn die Krankheit nicht die Herrschaft gewinnen und das Ganze vernichten soll.

Aber welche Krankheit ist es, die hier geheilt werden soll? Und welche Hindernisse der natürlichen Heilkraft, nämlich der individuellen Thatkraft, sind hier zu beseitigen? Der Nationalökonomie als Wissenschaft muss der schwere Vorwurf gemacht werden, noch nicht einmal diese Vorfragen beantwortet zu haben. C ONRAD , behandelt über selbständige Spezialkrankheiten am Volkskörper, die mit besonderer Vorliebe solchen Spezialisten überlassen werden, welche sich um die anderen Spezialkrankheiten möglichst wenig kümmern.

Bei alledem giebt es keine verbindenden einheitlichen Prinzipien, weder zwischen der Auffassung der einzelnen Spezialkrankheiten, noch zwischen den in Vorschlag gebrachten Mitteln zur Abhülfe, trotzdem von allen Seiten zugegeben wird, dass der soziale Körper als ein einheitlicher Organismus aufgefasst werden muss. Die Gesetzgebung hat vorerst den allerkleinsten Teil dieser Heilmittel angewendet. Und welche heilende Wirkung haben dieselben gehabt?

Das ZuckersteuerGesetz ist seit dem Jahre sieben mal abgeändert worden. Die Zuckerpreise sind heute niedriger denn je zuvor, und die Rübenzucker-Industrie geht der ernstesten Krisis entgegen.

Wir haben seit dem Jahre eine Sozialpolitik im Sinne einer Proletarierpolitik, die ungezählte Millionen verschlingt —! Dabei ist unsere Gesetzgebung von einer ausgesprochenen Aengstlichkeit und Zaghaftigkeit. So hat man z. Dann hat man zur Einschränkung der Termingeschäfte die Börsensteuer in verschiedenen Steigerungen zur Anwendung gebracht. Dann sollte die Eintragung der Terminspekulanten in ein Terminregister die Uebelstände beseitigen. Und man war eigentlich recht unangenehm überrascht, als über Initiative des Reichstages dieser langsame Etappengang schon mit dem direkten Verbot des Börsen-Terminhandels für Getreide und Mühlenfabrikate beschlossen wurde.

Unsere Gesetzgebung seit Ausgang der 70er Jahre muss deshalb leider als eine Verlegenheits-Gesetzgebung bezeichnet werden. Die grossen, einheitlichen, klärenden Principien der Wissenschaft fehlen. Der Streit der Meinungen verläuft sich mit den in Vorschlag gebrachten Mitteln in kleine und kleinste Details. Statt der Principien werden die Personen mit wachsender Gehässigkeit bekämpft. Der alte Zusammenhang der grossen politischen Parteien bricht auseinander.

Und der beste Wille kann die wachsende Unzufriedenheit nicht bannen. Denn die Wissenschaft der politischen Oekonomie geht heute der Praxis nicht allein nicht mehr voraus, sie wird geradezu von den Entschliessungen der Praxis überrascht und kommt dann zu den seltsamsten wissenschaftlichen Ausreden.

Damals war noch nicht einmal eine wissenschaftliche Definition für Terminbörse und Börsen-Terminhandel fertig! Und so behauptete man denn geschwind: Aber Terminbörse und Börsen-Terminhandel kann man nicht definieren, trotzdem man beides ganz genau kennt und beliebig oft vor Augen haben kann. Früher war das alles anders. Das wird schon an der äusseren Erscheinung der Gesetzesvorlagen selbst ersichtlich.

Warum eine gesetzliche Forderung eingehender begründen, die mit den seit fast! Hier lag, wie man pathetisch erklärte, die Beweislast auf der gegnerischen Seite. Die Vorlage selbst wurde dann auch nach kurzen Verhandlungen mit überwältigender Majorität angenommen. Und trotzdem — oder wohl richtiger gesagt: Die Leitsätze aber, welche daraus für die Methodenlehre der politischen Oekonomie sich ableiten lassen, sind folgende: Die politische Oekonomie als Wissenschaft ist heute in ihrer Entwickelung noch in keiner Weise zum Abschluss gekommen, sie befindet sich vielmehr noch mitten im Werden und mitten in der Gährung.

Der Weg zur Exaktheit ist auch dieser Wissenschaft nicht verschlossen — dies um so weniger, als ihr! Gebiet innerhalb der subjektiven Gefühls- und Empfindungssphäre des Menschen liegt und es also nur einer Anwendung der rechten wissenschaftlichen Methode bedarf, um zu exakten wissenschaftlichen Resultaten zu gelangen.

A UF DIE D AUER aber ist sie ungenügend, weil sie kein wissenschaftliches Gebäude, sondern nur wissenschaftliches Baumaterial liefert, das für die politische und staatsmännische Praxis so lange ein totes Material bleibt, als es nicht zu einem einheitlichen organischen Ganzen wissenschaftlich zusammengefügt worden ist. Gewiss wird man dabei die Resultate der historischen Spezialuntersuchungen nicht entbehren können.

Denn die Völker, welche gelebt haben, gross wurden und dann zu Grunde gingen, müssen uns www. Und der Entwickelungslauf unserer eigenen Geschichte muss uns den Punkt genauer kennen lernen, auf dem wir heute selber stehen. Weil aber das alles unter dem Gesichtswinkel der praktischen Wirtschaftspolitik zusammengefasst werden muss, um so die rechten!

Nach einer freien Uebersetzung von Prof. Meyer-Kraemer lautet dieses Epigramm: Aus Sikyon Lysippos ist der Meister. Und wer bist Du? Du trittst nur mit den Zehen auf? Wozu am Fuss zwei Flügelspeichen? Muss fliegend wie der Wind hinstreichen. Doch das Schermesser, das Deine Rechte hält? Das Gelingen auf haarscharfe Schneide sich stellt. Was trägst Du das Haar so im Antlitz? Dran halte mich, wem ich begegnen mag!

Und kahl, ganz kahl ist Dein Hinterkopf! Ja, bin ich erst einmal vorübergerast, Dann gräme Dich, dass Du das Nachsehn hast! Packst nimmer mich mehr in den Schopf. Nur auf solche Weise wird das wirtschaftspolitische Urteil den Schein vom Sein trennen lernen. Dass dabei alle wichtigeren empirisch-analytisch ermittelten Thatsachen sorgsam berücksichtigt werden wollen, ist selbstverständlich. Nach unserer Erfahrung ist es bei dieser Darstellung aber auch unerlässlich, möglichst viele Völkerindividuen zu bearbeiten.

Die Geschichte der Völker ist bekanntlich eine gewaltige Tragödie. Das historisch geübtere Auge wird deshalb immer erkennen lernen, wie jedem Volke sein Schicksal gewissermassen in die Wiege gelegt wurde. Nur deshalb wird es nach einer genügenden Aufklärung der Verhältnisse möglich, als einfach logische Konsequenzen der Anfänge die Volksgeschichte zwanglos zur Darstellung zu bringen. Weil aber die konventionelle Spezial-Geschichtsschreibung nur zu häufig diesen logischen Entwicklungskern bis zur Unkentlichkeit maskirt hat, muss die vergleichende Geschichtsdarstellung das Urteil schärfen und uns der Wahrheit näher bringen, damit wir erkennen lernen: Allgemeine oder theoretische Nationalökonomie — Wirtschaftspolitik — Finanzwissenschaft — Statistik.

Eine neue Nationalökonomie, welche ihren Schwerpunkt in die Wirtschaftspolitik verlegen muss, muss auch zur alten, in allen Wissenschaften wiederkehrenden Z WEIteilung zurückkommen, allgemeiner theoretischer Teil und spezieller praktischer Teil. Alle überflüssigen Details müssen hier fortbleiben, denn man sollte am Ende doch noch einigermassen wissen, was man zu Anfang gelesen und gelernt hat. Die Fülle der Materialien muss in die Bände des speziellen Teils verwiesen werden.

Die so dringend notwendige Verschmelzung von Theorie und Praxis muss nicht zuletzt auch für die Lehrmethode gelten. Das Seminar sollte deshalb für die Nationalökonomie sein, was das Laboratorium für die Chemie ist. Es genügt keineswegs im Seminar nationalökonomische Stilübungen zu pflegen oder gar nur Repetitorien abzuhalten. Das grosse, gewaltige wirtschaftliche Leben des Tages muss hier in das Studierzimmer hereingenommen werden.

Hierzu eignen sich nach unserer Erfahrung in hervorragendem Masse zwei Dinge: Wenn in den Seminarien der ver- schiedenen deutschen Universitäten fortlaufend eine grosse Zahl von Vergan- www. DieVerschmelzung von Theorie und Praxis erweist sich also auch nach dieser Richtung als durchaus fruchtbar. Endlich darf kein Versuch der Auffindung eines neuen und besseren Systems der Nationalökonomie vergessen, dass das neue System stets auf den Schultern der bisherigen Systeme stehen wird.

Es muss deshalb gerade für den Anfang von besonderer Wichtigkeit sein, aus der Entstehungsgeschichte der bisherigen Systeme zu lernen, wie ein neues System aus den gegebenen Verhältnissen herauszuwachsen pflegt.

Und weil die Theorien der bisherigen Systeme in ihrer Aufeinanderfolge wachsende Annäherungswerte zur Wahrheit darstellen, wird es Aufgabe einer richtigen Kritik derselben sein, zu unterscheiden, was in diesen Lehren das Vergängliche und das Dauernde ist, um das Letztere in den zu schaffenden Neubau herüberzunehmen. Versuch einer Theorie der Finanz-Regalien, Von den historischen Spezialwerken sind hier insbesondere zu beachten: Vergleiche ferner die Geschichte der nationalökonomischen Theorien: Englands treasure by foreign trade or the balance of our foreign trade is the rule of our treasure, A new discourse of trade, In Deutschland sind zu nennen: Die merkantilistische Praxis finden wir im Das alles war ein gewaltiger Fortschritt in der Organisation der Völker auf der Basis des Grundbesitzes.

In den Städten und an den Sitzen der grossen Herren entwickelte sich indess bald jener Keim, der mit seiner weiteren Ausbreitung schliesslich den ganzen Lehensstaat als herrschende Verfassung vernichten sollte, um das Volk nach einer Uebergangszeit recht bedenklicher! Wirren zur vollkommeneren Organisation des modernen Staates auf der Basis der Freiheit der Personen und der Arbeit zu führen. Im Lehensstaat ist der Grundeigentümer oder Obereigentümer der Herr. Wer sich von ihm beleihen liess, war damit in seine Abhängigkeit gekommen.

Wer Zins zahlte, war nicht frei, sondern dem betreffenden Zinsempfänger ergeben. Wer frei war, zahlte keinen Zins, sondern empfing Zins. Mit der Ansammlung des mobilen Besitzes in der Hand der eigentlichen Untertanen und mit der Nachfrage nach diesem mobilen Besitz bei den eigentlichen Herren wurde diese ganze lehensstaatliche Ordnung der Idee nach schon gesprengt, denn damit lieh ja der Untergebene jetzt dem Herrn, und der Herr hatte Leistungen an den Untergebenen übernommen.

Handel und Gewerbe begannen zu blühen. Den Kreuzzügen verdankten beide eine weitere mächtige Förderung. Das Geld begann eine immer grössere Rolle im Leben der romanischen und germanischen Kulturvölker zu spielen. Wer klug und energisch war, Geld erhalten und! Die Entdeckung Amerikas und die damit gewonnene Erschliessung einer mächtigen Zufuhr an Edelmetallen nach Europa hatten mit den darüber aus Spanien verbreiteten märchenhaften Nachrichten und der allgemeinen Preisrevolution die Geister noch mehr an die fast unbeschränkte Zaubermacht des Geldes glauben lassen.

Es war deshalb garnicht anders möglich, als dass jetzt jeder Leiter eines Gemeinwesens vor allem darauf bedacht sein musste, den Geldvorrat thunlichst zu mehren. In dem Masse, als dann die selbständigen Monarchien neben dem Deutschen Kaiser sich ausbildeten, mussten auch diese in der gleichen Weise handeln.

Der Soldat war, wie man schon gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts in der Schweiz! Als den Fürsten dieses Spiel bald mehr Verluste als Gewinne brachte, versuchte man es, wie alle Spieler, mit der Aufnahme von Schulden.

So waren die Zeitverhältnisse, unter denen allein der dreissigjährige Krieg möglich war. Nach seinem Ende waren die Völker so sehr verarmt, dass die www. Daraus folgt der Grundsatz: Hierzu eignete sich namentlich die Auflösung der noch vorhandenen deutsch-rechtlichen Ober- und UnterEigentumsverhältnisse nach den römisch-rechtlichen Begriffen. Die Bedeutung eines grossen Domänenbesitzes lag nicht nur in dem sicheren Einkommen, welches derselbe gewährt, sondern auch in dessen Eigenschaft, nötigen Falls als Pfandobjekt für grössere Gelddarlehne zu dienen.

Wo, wie in P REUSSEN , das Einkommen aus den Domänen einen wesentlichen Teil des Staatseinkommens ausmachte, musste eine weise Regierung bestrebt sein, durch eine zielbewusste Magazinpolitik in Verbindung mit einem ganz bestimmten System von Einfuhrverboten, Einfuhrzöllen und eventuellen Ausfuhrvergünstigungen die Getreidepreise möglichst stetig auf mittlerer Höhe zu erhalten.

Wo aber, wie in E NGLAND , die Herren des Landes im Parlament sassen, und zur Hälfte aus Vertretern des mobilen Besitzes, zur anderen Hälfte aus Latifundienbesitzern sich zusammensetzten, da war es nicht minder natürlich, dass auch für Getreide eine Exportprämie aus der Staatskasse gezahlt wurde, nachdem eben diese Begünstigung den wichtigsten gewerblichen Produkten zugebilligt worden war.

So erklärt sich zwanglos die Verschiedenheit der merkantilistischen Getreidehandelspolitik. Hier gab es das Zollregal auf Strömen, Flüssen und Strassen. Es gab das fürstliche Heimfallrecht an dem Vermögen der ausgestorbenen Familien, das bei den verheerenden Volksseuchen während und nach dem 30jährigen Krieg gewiss nicht unergiebig war. Es gab das Gebührenwesen verschiedenster Art für einzelne obrigkeitliche Handlungen. Es gab die Gerichtshoheit mit Geld- und Vermögensstrafen bis zur vollen Vermögenskonfiskation, welche namentlich bei grossen politischen Bewegungen umfassend!

Und alle diese Regalien konnten entweder von der fürstlichen Kammer selbst ausgeübt oder an die Geldleiher verkauft oder verpfändet werden. Und ebenso konnte die Kammer zu direkten Handelsgeschäften greifen, Handelsmonopole daraus machen oder Industriegeschäfte betreiben.

Das alles brachte Geld in die landesfürstliche Kasse. Wo ein exportierendes Gewerbe noch nicht vorhanden war, musste ein solches durch Mithilfe des Staates geschaffen werden. Fremde Unternehmer und Arbeiter wurden gerufen und vor allem mit dem Privilegium der Steuerfreiheit ausgestattet.

Der Export dieser Produkte nach fremden Märkten oder Ländern war zollfrei oder sogar durch Exportprämien unterstützt, während ihnen auf dem inländischen Markte durch das Einfuhrverbot für gewerbliche Produkte das Monopol reserviert wurde. Um die Produktionskosten thunlichst zu verrin- www. So wurde der Handel mit dem Auslande nach dem Grundsatze organisiert: Export von veredelten gewerblichen Produkten und Import von zu!

Es steht also in der merkantilistischen Politik neben dem Prinzip der Ansammlung eines möglichst grossen Reichtums, und zwar vor allem des Geldreichtums, die Begünstigung der Exportindustrie, des auswärtigen Handels, der heimischen Handelsflotte und die Notwendigkeit einer möglichsten Ausdehnung der Kriegsflotte. Vom Standpunkte der Entwickelungsgeschichte der Völker betrachtet, charakterisiert sich das Merkantilsystem als das durchaus notwendige Uebergangsstadium aus der stadtwirtschaftlichen in die volkswirtschaftliche Epoche Gustav Ruhland, System der politischen Oekonomie, Band 1 www.

Dass hier der Absolutismus mit Hilfe des Geldes seine Aufgabe im allgemeinen in durchaus befriedigender Weise gelöst hat, bezeugt am besten die Thatsache, dass unsere moderne Kultur durchweg auf dem Fundamente ruht, das der Absolutismus damals gelegt hat. Wenn aber in jener Periode namentlich der Bauer mit der Arbeiterbevölkerung besonders zu leiden hatte, so mögen heute beide nicht vergessen, dass die wirtschaftlichen wie politischen Freiheiten, deren sie sich erfreuen, nicht zuletzt dem gleichen theoretischen Grundgedanken entsprungen sind.

Wir dürfen deshalb im allgemeinen unter den gleichen wirtschaftlichen Voraussetzungen auch wieder das gleiche wirtschaftlich-politische System erwarten.

Trotzdem seit Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in allen mitteleuropäischen Kulturländern namentlich das Merkantilsystem alten Stils durch eine neue und unzweifelhaft bessere volkswirtschaftliche Ordnung auf dem Prinzip der Freiheit der Arbeit und der Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen ersetzt worden ist, gefällt sich die Wirtschaftspolitik unserer Tage doch wieder in überraschenden Anklängen an das alte Merkantilsystem.

Unter der Leitung des Geldes Grossbanken beobachten wir eine kapitalistisch-industrielle Entwickelung der Völker auf Kosten der Landwirtschaft und des Mittelstandes. Der Exporthandel gewinnt abermals eine ganz besondere Bedeutung. Die Entwickelung und Ausdehnung der Handelsflotten wird thunlichst gefördert. Die Ausbreitung des Kolonialbesitzes führt zu den charakteristischen Kolonialkriegen, und die bei dieser Entwickelung einander widerstreitenden Interessen werden nur zu häufig!

Weil aber gerade diese materialistischen Entwickelungstendenzen unserer Tage eine der wesentlichsten Ursachen der modernen Agrar- und Mittelstandsfrage sind, ist es uns nicht möglich, darin dauernde nationalökonomische Wahrheiten verkörpert zu sehen.

Denn was zu einer bereits bedenklichen Erkrankung des socialen Körpers geführt hat, kann unmöglich zu den echten Wahrheiten jener Lehre gehören, deren Ziel es ist, den socialen Körper möglichst gesund zu erhalten. Jede Volkswirtschaft braucht auf einer gewissen Höhe ihrer Entwickelung neben der Urproduktion und ihren Produkten Geld, Gewerbe und Industrie als gleichbedeutende und gleichberechtigte Faktoren.

Alle Massnahmen des Staates finden einen höchst beachtenswerten und höchst bedeutungsvollen Massstab ihrer Zweckmässigkeit an dem Abschluss der jährlichen Handelsbilanz. Ein Volk, das dauernd mehr ausgiebt, als es einnimmt, wird ebenso sicher zu Grunde gehen, wie das im gleichen Falle bei jeder Einzelwirtschaft nicht anders zu erwarten ist. Ein Streit kann nur darüber noch geführt werden, ob dieser Nachweis statistisch in zutreffender oder unzutreffender Weise geführt wurde.

Seine Entwicklung ist eine durchaus autodidaktische. Von einem Gärtner hat er Lesen gelernt, ist dann bei einem Wundarzt als Lehrling davongelaufen, in Paris Lithograph geworden, hat als solcher durch Selbststudium medizinische und philosophische Kenntnisse sich angeeignet, wird im Alter von 24 Jahren staatlich geprüfter Wundarzt, Leibchirurg des Herzogs von Villeroy und veröffentlicht als solcher mehrere bedeutende Werke über Chirurgie.

Ein Gichtleiden hindert ihn am Operieren. Er wendet sich deshalb dem Studium der inneren Medizin zu, erwirbt im Alter von 50 Jahren den medizinischen Doktorgrad und wird damit praktischer Arzt.

Darüber hinaus hat die physiokratische Lehre keine Entwicklung erfahren. Quesnay wendet sich dann im Alter von 75 Jahren mathematischen Studien zu und stirbt am Dezember im Alter von 80 Jahren.

Weiter werden als solche genannt: Ueber die Zeitverhältnisse vergleiche insbesondere: Das französische Königtum hat den französischen Staat geschaffen: Die Herrschaft der Engländer in Frankreich — , welcher das Land schon fast hoffnungslos erlegen war, haben die französischen Könige durch Organisation und Einrichtung des ersten modernen stehenden Heeres beseitigt. Die grössere Konzentration des Einkommens in der Hofhaltung förderte Kunst und Gewerbe ganz ausserordentlich.

Damit wuchs auch das Ansehen und die Bedeutung des französischen Handels, der durch eine sehr energische Kolonialpolitik in nachhaltigster Weise unterstützt und begünstigt wurde. In eben dieser Allmacht des französischen Königs lag indess auch der Keim zum Verderben, zunächst für das Wohl des französischen Volkes, und schliesslich für das Königtum selbst.

Aber die Kosten der endlosen Kriege, zuletzt namentlich der Kämpfe um den gewinnbringenden spanisch-amerikanischen Handel, gingen mit den ebenfalls enormen Kosten der Hofhaltung weit über die Einkünfte des Staates hinaus, trotz der raffiniertesten Ausbildung des Systems der indirekten Steuern. Eine immer masslosere Verschuldung des Staates war unvermeidlich. Bei alledem wurde der Luxus des Hofes immer raffinierter, seine Lebenshaltung immer ausschweifender, die Belastung des Volkes immer unerträglicher.

Das Princip, das Kalb im Leibe der Kuh aufzuessen und das laufende Jahr stets im voraus die Früchte des folgenden aufzehren zu lassen, wurde beibehalten. Schon um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts war der Staat unfähig, seinen ausgedehnten Kolonialbesitz zu halten. Die stattliche Kriegsflotte wurde aufgerieben.

Die Zinsen der Staatsschulden betrugen Alle diese Zustände konnten unmöglich von langer Dauer sein. Das Luxusgewerbe und der Export industrieller Erzeugnisse blühten. Die Ausfuhr Frankreichs betrug in den Jahren Frankreich versorgte die ganze Welt mit künstlerischen und kunstgewerblichen Erzeugnissen. Die häufigen Staatsbankrotte hatten auch die Bürger misstrauisch gemacht. Man hätte gern die Verwendung seiner, dem König geliehenen Gelder überwacht. Denn mit dem Staatsbankrott drohte auch den Staatsgläubigern Unheil.

Aber statt dieser Ueberwachung der Verwendung der Staatsgelder war dem Bürgertum von damals nicht einmal seine Selbstverwaltung gesichert.

Seit dem Jahre hatten die Städte sieben Mal eine Art Selbstverwaltung erhalten, die immer wieder aufgehoben wurde, um sie dann von der Krone für teures Geld wieder zurückkaufen zu lassen.

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